2015

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Neue Schutzanzüge für die Feuerwehr Zeil und Haßfurt

Gold signalisiert Sicherheit, nicht Mode
Die Feuerwehren Haßfurt und Zeil statten ihre Einsatzkräfte mit modernsten Schutzanzügen aus

Mode? Es geht nur um Sicherheit und Effektivität im Einsatz: Die Haßfurter und die Zeiler Feuerwehr haben damit begonnen, mit einer gemeinsamen Bestellung ihre Einsatzkräfte mit neuen Schutzanzügen auszustatten. Sie haben künftig Jacken und Hosen des österreichischen Herstellers Texport an, die beispielsweise auch alle 5000 haupt- und ehrenamtlichen Berliner Feuerwehrleute tragen und als „modernste Feuerwehr-Schutzbekleidung Europas“ bezeichnen.

Es sei kein unrealistisches Szenario, dass ein Feuerwehrmann, der das neue Modell „Fire Bear Rescue X-Treme“ trägt, beim Innenangriff eine Rauchgaszündung unbeschadet übersteht, während sein Kamerad im herkömmlichen Anzug „Bayern 2000“ beim Unglück schwere oder gar tödliche Verletzungen erleidet, brachten es Martin Volpert, Kommandant der Kreisstadtwehr, und sein Zeiler Pendant Tobias Hetterich am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung vorsichtig, aber doch eindeutig, auf einen Nenner.

„Wir wollten unbedingt unseren Einsatzkräften das Signal geben, hier wird etwas für ihre Sicherheit getan“, erklärte Kreisstadtbürgermeister Günther Werner in der Haßfurter Feuerwache. Amtsbruder Thomas Stadelmann ergänzte, dass nur derjenige andere effektiv retten kann, der sich selbst in maximal möglicher Sicherheit befindet. Beide Stadtoberhäupter hatten sich – für den Reporter überraschend – dem Gespräch mit der Feuerwehr angeschlossen, um damit zu unterstreichen, dass sie eindeutig hinter der Investition in die neue Schutzbekleidung stehen.

Denn die neuen Anzüge kosten mit rund 1200 Euro pro Stück eine Stange Geld, was unter anderem deshalb nach einer Rechtfertigung verlangt, weil beide Kommunen gegenwärtig ohnehin viel Geld für ihre Feuerwehren ausgeben. Haßfurt schafft gerade ein neues Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 20) mit einem städtischen Anteil von knapp 290 000 Euro an, in Zeil hat man dieselbe Investition gerade hinter sich gebracht. Hier wie dort stehen weitere Modernisierungen und vor allem die Einführung des Digitalfunks ins Haus.

Das mit dem vermeintlich hohen Anschaffungspreis relativiert sich aber aus zwei Gründen. Die Kommandanten Hetterich und Volpert erinnern sich daran, dass das Vorgängermodell umgerechnet auch schon gut 900 Euro kostete. Und das war in Zeil wie in Haßfurt vor fast 15 Jahren. Wobei der weite Blick zurück darauf hindeutet, „dass wir sowieso neue Anzüge gebraucht hätten, weil unsere alten inzwischen verschlissen sind“, wie Martin Volpert für beide Wehren erklärte. Dabei trete ein Nachteil der bisherigen Jacken und Hosen auf, bemängelte Tobias Hetterich, sie haben nämlich keine Revisionsöffnungen. Somit lasse sich nicht erkennen, ob die Schutzmembran und damit die Kleidung insgesamt noch in Ordnung ist oder nicht.

Schlecht reden will die bisherige Standardkonfektion der bayerischen Feuerwehren niemand. „Aber Sie müssen bedenken, dass zwischen beiden Anzügen eine Entwicklungszeit von 15 Jahren liegt. Da hat sich unglaublich viel getan“, sagte Jörg Hartmann vom Bekleidungshaus Murk (Wachenroth) am Dienstag zum HT. Der neue „Fire Bear Rescue X-Treme“ sei seinem Vorgänger „Bayern 2000“ in Sachen Schutz, Funktionalität und Tragekomfort haushoch überlegen. Es ist die Firma Murk, die Texport in der Region vertritt und deshalb die Haßfurter und Zeiler Feuerwehr mit der neuen „Wäsche“ versorgt.

Das Zauberwort der neuen Garnitur lautet „PBI Matrix“. Dahinter verbirgt sich ein Gewebe aus hitzebeständigen (Polybenzimidazol) und reißfesten Fasern (Aramid), dank derer das Obermaterial thermisch wie mechanisch sehr belastbar und trotzdem verhältnismäßig leicht ist. Das Gewebe wurde ursprünglich für die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA entwickelt. Es hält eine kurzzeitige Beflammung von bis zu 1000 Grad Celsius aus und ist auch widerstandsfähiger gegen Säuren, Laugen und organische Verbindungen als die alten Stoffe, wobei es den Chemikalienschutzanzug nicht ersetzt, wie Kommandant Volpert betonte. Texport ist Konfektionär und kauft das PBI-Matrix-Gewebe selbst ein.

Die Haßfurter und Zeiler Floriansjünger sind zudem von den vielen Verbesserungen in Sachen Funktionalität begeistert. Die neuen Jacken und Hosen machten nicht nur die typischen Bewegungen im Einsatz mit, was maximale Bewegungsfreiheit bedeute. Sie besitzen zum Beispiel auch gepolsterte Knie und Ellbogenpartien. Zahlreiche Taschen nehmen auf, was ein Rothelm im Einsatz mit sich führen muss – etwa das Digitalfunkgerät, das an beiden Oberarmen verstaut werden kann. Um sich selbst sichern zu können, musste sich ein Floriansjünger bisher eine Bandschlinge vom Fahrzeug mitnehmen. „Das kann schon kritisch werden, wenn man das in der Hektik vergisst“, weiß Volpert. In der neuen Jacke ist ein Brustgurt samt Karabiner integriert, mit dem sich ein Feuerwehrmann beispielsweise hoch oben auf der Leiter einhaken kann. Sollte etwa ein Atemschutzträger ohnmächtig werden, können ihn seine Kameraden dank Trageschlaufen im Nacken und an den Oberschenkeln der Kleidung viel leichter bergen als bisher. „Das ist schon alles sehr durchdacht und praxisnah“, meinten der Zeiler und der Haßfurter Kommandant übereinstimmend.

Der auffälligste Unterschied für den Laien ist indes die Farbe des neuen Feuerwehrlooks, die der Betrachter je nach Farbempfinden als beige, hellbraun oder golden wahrnimmt. „Damit fallen wir auf jeden Fall besser auf“, meinte Martin Volpert, denn „Bayern 2000“ ist schwarz wie die Nacht. Mancher empfinde den Farbton als schick, andere als potthässlich, aber hier gehe es nicht um Mode. Das Braun oder Gold entspricht dem natürlichen Farbton der Fasern, die sich nur sehr schlecht färben lassen.

Anders als bei „Bayern 2000“ mit einem leichten und einem schweren Anzug gibt es beim „Fire Bear“ eine einzige Garnitur für jede Jahreszeit und jedes Wetter. Jörg Hartmann vom Bekleidungshaus Murk hat alle Rothelme vermessen, damit jeder die passende Größe bekommt. Weil auch Feuerwehrleute dicker oder dünner werden können, die einen aus dem Dienst ausscheiden und andere hinzukommen, werden die Namensschilder und Wehrkennzeichnung mit Klettverschluss angebracht und sind jederzeit austauschbar. Irgendwann werde es einen Pool geben, aus dem sich Neulinge oder Einsatzkräfte, deren Körperumfang sich geändert hat, bedienen können.

Haßfurt hat 92 neue Anzüge (die speziell gereinigt werden müssen) geordert, für alle Feuerwehrmänner und -frauen der Kernstadt, für Augsfeld und Prappach sowie die Atemschutzgeräteträger von Sailershausen. Zeil schafft 35 Garnituren an, damit ist der Bedarf der Stadtwehr gedeckt. Im Nachgang sollen auch die Ziegelangerer Atemschutzgeräteträger in Hellbraun oder Gold gewandet werden.

Bei den ersten Einsatzerfahrungen in Zeil und Haßfurt haben die Rothelme auch einen Nachteil der neuen „Mode“ ausgemacht: Es wird in den Hosen und Jacken sehr warm, mal sehen, wie das im Sommer wird, hieß es. „Am besten nur in Unterhose und T-Shirt rein“, rieten Martin Volpert und Tobias Hetterich vorab.

Die Bürgermeister Werner und Stadelmann wollen in Sachen Feuerwehrschutzkleidung Vorbild für den gesamten Landkreis sein – denn auf die Sicherheit der Retter und zu Rettenden komme es in jedem Ort an, nicht nur in Haßfurt und Zeil, bekräftigten sie.

Bericht: Martin Sage, Hassfurter Tagblatt
Foto: FF Zeil / Hassfurter Tagblatt

 

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